Exponat "Aus dem Depot"

Welchen Zauber verbirgt die Laterna Magica?

Laterna magica "Hora", Fotografie: Maren Kiupel, Osnabrück

Man stelle sich vor: ein dunkler Saal, gefüllt mit erwartungsvollen Menschen. Wie aus dem Nichts fiel ein Lichtstrahl auf die Wand vor der Menge. Abbildungen von exotischen Wesen und fremden Ländern, die diesen Menschen wie Phantasiewelten schienen. Und als aus dem Bodennebel eine Gestalt emporstieg, die nur ein Geist sein konnte, da waren wohl auch die Letzten fast bereit, wieder an Wunder zu glauben. Wie sonst hätten sie, die meist nichts von der Beschaffenheit von Linsen und der Natur des Lichtes wussten, sich diese bunten Projektionen erklären können?
Dabei war die Technik, die hinter der Laterna Magica steckte, für heutige Verhältnisse ziemlich simpel. Alles, was man zum Bewerkstelligen dieses Zaubers brauchte, war ein Kasten, in dem eine Lichtquelle – zunächst eine Öllampe oder Pechfackel, später auch elektrisches Licht – brannte. Das Licht fiel aus einer Öffnung auf Glasbilder, die in die sogenannte Bildführung zwischen Kasten und dem ihm vorgelagerten Linsensystem eingelegt wurden und dann weiter durch die Linsen, die dafür sorgten, dass das entsprechende Bild scharf und in vollen Farben an die Wand projiziert wurde.
Wem genau diese Erfindung zu verdanken ist, ist unklar. Oftmals wird sie Christiaan Huygens (1629-1695) zugeschrieben, der mit seiner Wellentheorie des Lichtes und der darauf basierenden Arbeit an Linsen gewiss einiges zur Verbesserung der Bildschärfe beigesteuert hat.
Doch die erste Projektionsapparatur wurde schon von Johannes de Fontana (1395-1455) in seinem Buch „Bellicorum instrumentorum liber“ beschrieben, besaß aber keine Linse und warf vermutlich nur ein unscharfes Bild.
Es war der Mathematiker Thomas Rasmussen Walgenstein  (1627-1681), der der magischen Laterne ihren Namen gab und der sie auf zahlreichen Reisen durch Europa bekannt machte. Auf diesen Reisen gab Walgenstein Vorführungen der Laterna, womit er den Grundstein für eine neue Art von Showbusiness legte. Männer fuhren mit ihren Laterna Magica durch die Länder und boten Vorführungen an, die, je nach Mode, von Phantasmagorien (Geistervorstellungen im späten 18. und frühen 19. Jh.) über Geschichten und Märchen bis hin zu wissenschaftlichen und religiösen Themen ein breites Spektrum boten.
Im Zuge der Industriellen Revolution avancierte die Laterna zu einem Massenmedium für den Hausgebrauch, erlebte in den 1870er und 1880er Jahren eine Hochkonjunktur und fand sich dann noch viele Jahre in Kinderzimmern.

Anna Brandewiede

  

Der Text ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Osnabrücker Wissen" erschienen: 

https://osnabruecker-wissen.jimdo.com/

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