Exponat "Aus dem Depot"

War früher wirklich mehr Lametta?

Viele werden sich noch daran erinnern, dass an dem Weihnachtsbaum die glitzernden Fäden hingen. Inzwischen ist Lametta in den meisten Wohnzimmern allerdings gar nicht mehr zu sehen. Wie Opa Hoppenstedt schon 1976  in dem Loriot-Sketch „Weihnachten bei den Hoppenstedts“ bedauerte: „Früher war mehr Lametta.“ Direkt nach Veröffentlichung dieses Artikels kann Lametta aus den 1950er Jahren  im Museum Industriekultur Osnabrück begutachtet werden.

 

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Bildbeschreibung: Brillant Eis-Lametta, Riffelmacher & Weinberger, 1950er Jahre, Roth

 

Lametta wurde im 19. Jahrhundert erfunden. Es sollte herabhängende Eiszapfen am Tannenbaum darstellen. Darum hatte es ursprünglich eine silberne Farbe, später wurde es jedoch auch in anderen Farben hergestellt.

Beim traditionellen Stanniol-Lametta befindet sich im Inneren ein Bleikern, der von einer Zinnschicht bedeckt ist.

Gemeinsam werden die Materialien so lange gewalzt, bis sie, statt einige Zentimeter, nur noch wenige Mikrometer dick sind. Zur Verdeutlichung: Ein Mikrometer ist ein Millionstel Meter. Sobald die richtige Stärke erreicht ist, wird die entstandene Folie in die uns bekannte Form zerschnitten.

Das enthaltene Blei ist jedoch umweltschädlich, unter Umständen gesundheitsgefährdend und außerdem relativ teuer. Heutzutage besteht Lametta zumeist aus Kunststoff. Dieses ist jedoch ziemlich leicht und fällt anders als das Stanniol-Lametta.

Deshalb bevorzugen einige Liebhaber des schillernden Christbaumschmucks und Nostalgiker immer noch die traditionelle Version trotz ihrer Nachteile.

Die Bezeichnung Lametta stammt übrigens aus dem Italienischen. Es ist die Verkleinerungsform von „lama“, was so viel bedeutet wie „Klinge“ oder „Metall“.

Die Nachfrage nach Lametta ist in den letzten Jahren stark gesunken. Kaum einer hat dieses Accessoire noch an seinem Weihnachtsbaum hängen. Aus diesem Grund hat 2015 „Riffelmacher & Weinberger“,

die letzte Firma in Deutschland, die noch Lamettaproduzierte, ebenfalls ihre Lametta Erzeugung eingestellt.

Somit ist die Ära des Stanniol-Lamettas endgültig beendet, es sind nur noch Restbestände erhältlich.

Das Unternehmen wurde schon im Jahre 1921 in Roth gegründet und stellt seitdem Deko, vor allem zu Weihnachten, her.

Im 20. Jahrhundert befanden sich im mittelfränkischen Roth mehrere Firmen, die Weihnachtsschmuck fertigten, jedoch ist „Riffelmacher & Weinberger“ als einzige noch tätig. Auch das Lametta, das im Museum Industriekultur ausgestellt ist, stammt aus der Produktion von „Riffelmacher & Weinberger“.

Letztendlich müssen wir Opa Hoppenstedts Behauptung wohl zustimmen. Mit Hinblick auf die Nachteile des Lamettas hat diese Entwicklung vielleicht aber auch etwas Gutes an sich.

 

Autorin: Kristina Saibel (FSJ-Kultur)

 

 

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